Was euer E-Commerce Software-Stack wirklich kostet
Plentymarkets, Zendesk, HubSpot, Algoritmo — die meisten E-Commerce-Unternehmen kennen ihre monatliche SaaS-Rechnung. Was sie seltener kennen: was dieser Stack langfristig wirklich kostet. Nicht nur in Euro, sondern in Abhängigkeit, in verpassten Möglichkeiten, und in dem was passiert wenn die Anbieter ihre Preise erhöhen.
Die ehrliche Rechnung
Nehmen wir ein reales Beispiel: ein E-Commerce-Unternehmen mit rund 20 Millionen Euro Jahresumsatz, sechs Abteilungen, fünf Marktplätze. Ein typisches Unternehmen dieser Größe hat einen Software-Stack der ungefähr so aussieht:
| Bereich | Tool | Kosten / Monat |
|---|---|---|
| ERP / Fulfillment | Plentymarkets | € 8.000 |
| CRM / Marketing | HubSpot + Klaviyo | € 1.300 |
| Business Intelligence | Algoritmo | € 490 |
| Kundenservice | Zendesk / Gorgias | € 680 |
| Repricing | Repricer-Tool | € 250 |
| Personal | Personio | € 350 |
| Weitere Tools | Marktplatz-Portale, Carrier-Tools | € 600 |
| Gesamt | ~ € 11.670 |
Das sind fast 140.000 Euro pro Jahr — nur für Software, ohne eine einzige Personalstunde. Bei 20 Millionen Euro Umsatz entspricht das 0,7% — klingt wenig, ist es aber nicht wenn man sich anschaut wofür man eigentlich zahlt.
„Jeder dieser Anbieter existiert, weil ein anderer Anbieter sein Versprechen nicht gehalten hat."
Das BI-Tool-Problem
Warum gibt es Algoritmo? Weil Plentymarkets kein funktionsfähiges Business Intelligence hat. Warum gibt es den Repricer? Weil das ERP-System kein dynamisches Pricing kann. Warum gibt es Gorgias neben Zendesk? Weil keins der beiden Tools alleine alle Kanäle abdeckt.
Jedes externe Tool das eine Schwäche des Kernsystems ausgleicht ist ein Signal — kein Zeichen von Skalierung, sondern von technischer Schuld. Man zahlt doppelt: einmal für das System das nicht funktioniert, und einmal für das System das die Lücke füllt.
Das Satellitentools-Problem: Ein Unternehmen das 5+ Tools für grundlegende Geschäftsprozesse betreibt, zahlt nicht für Funktionalität — es zahlt für die Unfähigkeit eines Tools, das eigentlich die Basis sein sollte.
Die AI-Tax — was jetzt gerade passiert
In den letzten 18 Monaten hat sich ein Muster etabliert das ich in fast jedem Kundengespräch sehe: SaaS-Anbieter integrieren KI-Funktionen in ihre bestehenden Produkte und erhöhen die Preise um 30 bis 80 Prozent.
Plentymarkets AI-Forecasting. Zendesk AI. HubSpot AI. Personio KI. Diese Features sind real — aber sie sind fast ausnahmslos generische LLM-Wrapper auf Daten die ohnehin schon im System liegen. Der Wert des Produkts steigt nicht proportional zur Preiserhöhung.
| Tool | Basis | + KI-Upgrade | Erhöhung |
|---|---|---|---|
| Plentymarkets | € 8.000 | + € 890 | +11% |
| Zendesk | € 680 | + € 480 | +71% |
| HubSpot | € 1.300 | + € 780 | +60% |
| Personio | € 350 | + € 260 | +74% |
| AI-Tax gesamt | + € 2.950 / mo. | + € 35.400 / Jahr |
35.000 Euro pro Jahr zusätzlich — für KI-Features auf Daten die euch eigentlich schon gehören. Und das ist nur der Anfang.
Was das eigentlich bedeutet
Das Problem ist nicht der Preis. Das Problem ist die Struktur. Jedes Tool in diesem Stack ist ein weiterer Anbieter der eure Prozesse kennt, eure Daten verarbeitet, und dessen Roadmap ihr nicht kontrolliert.
Wenn Plentymarkets morgen entscheidet eine bestimmte Schnittstelle zu deprecaten, habt ihr ein Problem. Wenn Zendesk die API-Limits ändert, habt ihr ein Problem. Wenn Algoritmo den Preis verdoppelt weil sie KI integriert haben — was dann?
Die eigentliche Frage ist nicht: „Was kostet unser Stack heute?"
Sondern: „Was kostet unser Stack in drei Jahren, wenn jeder Anbieter seine KI-Features einpreist?"
Was es alternativ gibt
Es gibt Unternehmen die diesen Weg anders gehen. Sie bauen ihre Kernprozesse auf einem System auf das ihnen gehört — On-Premise, eigene Datenbank, eigene Logik. Die Marktplatz-Anbindungen laufen über standardisierte Konnektoren die einmal gebaut und dann wiederverwendet werden.
Das klingt nach mehr Aufwand, ist es kurzfristig auch. Aber nach 12 bis 18 Monaten kehrt sich die Rechnung um: keine monatlichen SaaS-Gebühren für Funktionalität die man selbst kontrolliert, keine AI-Tax für Features auf eigenen Daten, und ein System das beim Verkauf des Unternehmens als Asset zählt — nicht als Kostenstelle.
Im nächsten Artikel schauen wir uns an was mit euren Daten passiert — und warum das langfristig das größere Problem ist als die monatliche Rechnung.
→ Warum E-Commerce-Unternehmen ihr Wertvollstes verschenken (erscheint nächste Woche)
Häufige Fragen
Was kostet ein typischer E-Commerce Software-Stack pro Monat? Ein typisches E-Commerce-Unternehmen mit 15–25 Mio. EUR Jahresumsatz zahlt zwischen 10.000 und 15.000 EUR pro Monat für Software allein — ohne Personalkosten. Plentymarkets macht dabei oft 50–60% der Gesamtkosten aus.
Was ist die AI-Tax bei SaaS-Anbietern? SaaS-Anbieter wie Zendesk, HubSpot oder Plentymarkets integrieren KI-Funktionen in bestehende Produkte und erhöhen damit die Preise um 30–80%. Der eigentliche Produktwert steigt dabei nicht — es handelt sich meist um generische LLM-Wrapper. Die Preiserhöhung aber ist real.
Warum existieren BI-Tools wie Algoritmo neben Plentymarkets? Algoritmo und ähnliche BI-Tools existieren, weil Plentymarkets kein funktionsfähiges Business Intelligence hat. Jedes externe Tool das eine Schwäche des ERP ausgleicht ist ein Signal: das Kernsystem leistet nicht was versprochen wurde — man zahlt doppelt.
Was ist eine sinnvolle Alternative zu Plentymarkets? Odoo On-Premise ist eine vollständige Alternative: ERP, CRM, BI, Buchhaltung und Ticketsystem in einem System. Mit bestehenden Marktplatz-Konnektoren lässt sich die Migration schrittweise und ohne Betriebsunterbrechung durchführen. Der entscheidende Unterschied: das System gehört euch.